+++ "Er hat sich seinen Weg bei Ajax verbaut" +++

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News-Service: Bundesliga
Interview über BVB-Coach Peter Bosz
"Er hat sich seinen Weg bei Ajax verbaut"

Sorgt Peter Bosz für Kontinuität? Wird er ein gutes Verhältnis zu Hans-Joachim Watzke haben? Im Gespräch mit FOCUS Online erklärt der Niederlande-Experte von transfermarkt.de, Felix Keuleber, warum der BVB-Coach als schwierig gilt - und weswegen er sich taktisch Kritik gefallen lassen muss. 

FOCUS Online: Herr Keuerleber, Hans-Joachim Watzke ist offenbar ganz begeistert von seinem neuen Trainer Peter Bosz. Bei Ajax Amsterdam, Bosz' Ex-Club, teilen sie diese Begeisterung offenbar nicht.

Felix Keuerleber: Es ist sehr spannend, wie schnell sich die Lage geändert hat. Nach dem Pokalfinale meinte Bosz noch, dass er sich schon auf die kommende Saison freue und ob er denn dann alle jungen Spieler halten könne. Eine Woche später kamen die Gerüchte um den BVB auf. Es gibt in Amsterdam sehr viele kritische Stimmen, die es ihm sehr übel nehmen, dass er nach gerade mal einem Jahr wieder geht. Und das ohne Titel. Die Frage ist auch, warum der Club ihn hat so einfach ziehen lassen. Lucien Favre hatte von OGC Nizza ein klares Nein bekommen. Das war bei Ajax nicht der Fall.

FOCUS Online: Das heißt?

Keuerleber: Bosz hätte noch Vertrag gehabt. Jetzt hieß es, dass es im Verein negative Stimmungen gab. Ajax hat ein großes Trainerteam drum herum: Dennis Bergkamp, Hennie Spijkerman und Torwarttrainer Carlo l'Ami. Mit diesen Herren soll es nicht immer gestimmt haben. Gerade deswegen soll die Sportliche Leitung die Verhandlungen mit dem BVB intensiviert haben.

FOCUS Online: Bosz soll zwischenmenschlich nicht der Einfachste sein, heißt es konkret.

Keuerleber: Bosz wird eine eigensinnige Arbeitsweise nachgesagt. Das galt auch bei seinen vorherigen Stationen. Bosz zieht seinen Plan immer durch. Nach der Winterpause soll er immer weniger auf die Kollegen im Trainerteam gehört haben und seine Linie durchgezogen haben. In der Europa League wurde das mit dem Finale belohnt. Aber intern hat er sich dadurch wohl den Weg verbaut. Die Frage ist, inwiefern das beim BVB ein Problem geben könnte? Ihn zeichnen Spaß und Freude am Spiel aus. Thomas Tuchel hatte dagegen einen beinahe asketischen Einschlag. Da ist Bosz in der Kabine oder auf dem Trainingsplatz sicher umgänglicher.

Video: Neuer BVB-Trainer sorgt bei Frage nach Aussprache für Lacher

FOCUS Online: Wie steht es um seinen Fußball? Es gab auch Kritik, er sei taktisch limitiert.

Keuerleber: Absolut. Erstmal hat er auf dem aufgebaut, was schon da war, das Talent dieser jungen Ajax-Generation. Bosz möchte das aggressive Pressing zu einer Art Kunstform ausbauen. Er weitete die berühmte Drei-Sekunden-Regel von Pep Guardiola, wonach der Ball entsprechend schnell zurückgewonnen werden soll, auf eine Fünf-Sekunden-Regel aus. Daran arbeitet er intensiv. Selbst erfunden hat Bosz taktisch nichts. Insgesamt würde ich ihn nicht als innovativ bezeichnen. Dass seine Mannschaften hochstehen und versuchen, auf Abseits zu spielen, Druck aufzubauen über offensive Mittelfeldspieler, ist nicht innovativ. Seine großen Vorbilder sind Guardiola und Johan Cruyff. Bosz baut deren Fußball vielmehr ehrgeizig aus.

FOCUS Online: Ein sehr kraftraubender Fußball.

Keuerleber: Das ist richtig. Das hat man im Europa-League-Finale gesehen. Manchester United konnte in Ruhe warten, bis Ajax sich müde gerannt hatte. Die Sorge, die ich habe: Er ist jetzt die große niederländische Trainer-Hoffnung. Aber wie viel Zeit bekommt er tatsächlich beim BVB? Bei Ajax hatte er im Vorjahr einen schlechten Saisonstart hingelegt. Er gewann in der Vorbereitung nur ein einziges Spiel. Am 2. Spieltag hatte Ajax gegen Abstiegskandidat Roda Kerkrade nur 2:2 gespielt, und am 3. Spieltag, ebenfalls zu Hause, gegen Willem II verloren, auch das ein Abstiegskandidat. Solche Ergebnisse könnten die Stimmung beim BVB schnell umschlagen lassen. Nicht zuletzt hat er noch nichts gewonnen.

FOCUS Online: Nirgends?

Keuerleber: In der Meisterschaft ist Ajax ein Punkt hinter Feyenoord Rotterdam gelandet. In Israel als Trainer von Tel Aviv ist er auch nicht Meister geworden und hat das Pokalfinale verloren. In dieser Saison schied er zudem mit Ajax im Pokal-Achtelfinale gegen einen Zweitligisten aus. Hinterher meinte er, er hätte seine Spieler falsch eingestellt gehabt. Er ist letztlich der niederländische Trainer, der schön spielen lässt, aber nichts gewinnt.

FOCUS Online: Weiter heißt es, dass er mit flinken Tempodribblern über die Halbpositionen angreifen lasse, aber ansonsten im Sturm taktisch nicht viel anzubieten habe.

Keuerleber: Das ist mir ebenso aufgefallen. Vorne spielt er viel mit Dreiecken aus der Ajax-Schule, aber was kommt dann? Gerade gegen Manchester United war dieses Rezept schnell aufgebraucht. Er ist auch nicht bekannt dafür, etwa auf ein 3-5-2 oder ein anderes System umzustellen. Sowas kennt man von ihm nicht. Es wird spannend zu beobachten sein, wie er das in Dortmund handhabt.

Über den Experten: Felix Keuerleber ist Area Manager des Fachportals Transfermarkt für die Niederlande. Seit 2007 engagierte sich der heute 27-Jährige ehrenamtlich im Bereich niederländischer Fußball für transfermarkt.de, ab Januar 2014 arbeitete er an der Entwicklung von transfermarkt.nl mit. Zuvor hatte er unter anderem ein Praktikum beim damaligen niederländischen Erstligisten VVV Venlo absolviert. Für seinen Arbeitgeber verfolgt er sämtliche Entwicklungen in der Eredivisie.

Video: BVB-Plan für Aubameyang-Ersatz wird konkreter

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