+++ Lilly Becker leidet an Endometriose - darum bleibt die Krankheit so lange unerkannt +++

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30.000 Frauen erkranken jährlich
Lilly Becker leidet an Endometriose - darum bleibt die Krankheit so lange unerkannt

Vor sieben Jahren kam Amadeus Benedict Edley Luis Becker zur Welt – der Sohn von Lilly und Boris Becker. Längst wünscht sich die 40-jährige Mutter ein zweites Kind. Ärzte stellten jedoch fest, dass Lilly Becker unfruchtbar ist. Der Grund: Sie leidet an Endometriose. FOCUS Online erklärt, was hinter der Krankheit steckt.

Mit einem zweiten Kind wäre das Familienglück perfekt, erzählte Lilly Becker gestern bei „Stern TV". Denn sie liebe es, Mutter zu sein. Doch trotz mehrfacher Hormonbehandlung klappte es bislang nicht. Denn Lilly Becker leidet an Endometriose - gutartigen, meist schmerzhaften Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut.

Vor der Diagnose ihres Arztes wusste Lilly Becker nicht einmal, dass die Krankheit existiert. So geht es vielen Frauen. Dabei ist Endometriose eine der häufigsten Erkrankungen bei Frauen zwischen 15 und 45 Jahren. In Deutschland erkranken mehr als 30.000 Menschen jedes Jahr neu daran.

Warum Endometriose auftritt, konnten Mediziner noch nicht vollständig klären. Sie vermuten, dass sich entweder Zellen der Gebärmutterschleimhaut an anderer Stelle einnisten oder sich bestimmte Zellen in Endometriose-Zellen umwandeln. Immer wenn eine Frau ihre Monatsblutung hat, sind auch die Gebärmutterschleimhautzellen außerhalb der Gebärmutter aktiv.

Endometriose bleibt lange unerkannt

„Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose vergehen in Deutschland durchschnittlich immer noch sieben Jahre", schätzt Stefan Renner, Präsident der Europäischen Endometrioseliga. Der Grund: Die Erkrankung kann völlig schmerzfrei verlaufen oder sie äußert sich in unspezifischen Beschwerden wie

  • starken Regelschmerzen
  • Unterbauchschmerzen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang
  • wiederkehrenden Blutungsstörungen

Betroffene vermuten oft starke Regelschmerzen oder eine falsche Ernährung hinter den Beschwerden und ahnen zunächst nicht, dass sie an Endometriose erkrankt sind. Auch vielen Gynäkologen falle es schwer, die Erkrankung sicher zu diagnostizieren, meint Andreas Ulrich, Chefarzt des Endometriosezentrums am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin.

So diagnostizieren Ärzte die Endometriose

Dass die Erkrankung oft spät erkannt wird, liegt unter anderem daran, dass die Wucherungen im Bauchraum nicht im Ultraschall sichtbar sind. Dort können Ärzte lediglich Zysten, die sich häufig in den Eierstöcken bilden, erkennen. Je nachdem, an welchen Stellen im Körper sich die Endometrioseherde außerdem angesiedelt haben, können Spezialisten Verhärtungen ertasten.

Absolute Klarheit bringt jedoch nur die Bauchspiegelung (Laparaskopie). Dabei führt der Operateur über zwei bis drei kleine Schnitte, Instrumente und Kamera in den Bauchinnenraum ein. Der minimalinvasive Eingriff erfolgt unter Vollnarkose und ist in der Regel gleich der erste Schritt zur Behandlung, also Entfernung der Endometriose.

Video: Jede zehnte Frau leidet unter Endometriose - doch kaum jemand kennt die Krankheit

Was können Betroffene tun?

  • Schmerzmittel und krampflösende Medikamente: Sie lindern vorübergehend die Schmerzen.
  • Hormonelle Verhütungsmittel und Hormonpräparate: Nehmen Frauen die Antibabypille durchgehend ein, verhindern sie ihre monatliche Blutung. Endometriose-Herde können sich dadurch zurückbilden. Auch andere hormonelle Mittel wie die Wechseljahrsspritze können die weiblichen Geschlechtshormone und somit die Endometriose-Zellen beeinflussen. Das allerdings kommt nur für Frauen in Frage, die keinen Kinderwunsch haben.
  • Operation: Verursacht die Krankheit keine Beschwerden, ist eine Operation nicht unbedingt notwendig. Da viele Betroffene allerdings unter Schmerzen leiden oder wie Lilly Becker unfruchtbar werden, hilft ihnen ein medizinischer Eingriff. Dabei entfernt ein Arzt die betroffenen Stellen durch eine Bauchspiegelung oder einen Bauchschnitt.

Eine Schwangerschaft ist möglich

Frauen können auch trotz Endometriose schwanger werden, allerdings ist das Risiko einer Eileiterschwangerschaft sehr hoch. Bei der Geburt können ebenfalls Komplikationen auftreten. Daher raten Ärzte Frauen mit Kinderwunsch, das erkrankte Gewebe zunächst operativ zu entfernen. Mediziner müssen dann besonders darauf achten, die Eileiter, Eierstöcke und Gebärmutter beim Eingriff nicht zu beschädigen.

Bei Frauen, die ihre Familienplanung bereits abgeschlossen haben, können Ärzte vorsorglich die betroffenen Geschlechtsorgane komplett entfernen. So verhindern sie, dass die Krankheit zurückkehrt. Denn das ist laut Renner bei 30 bis 50 Prozent der Patientinnen der Fall. Trotzdem dürfen Frauen, bei denen die Endometriose vollständig entfernt wurde, darauf hoffen, dass die Wucherungen nicht wiederkommen. In diesem Bereich ist noch viel Forschung notwendig.

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