+++ Ministerpräsident Ramelow in der Krise: Kann Rot-Rot-Grün Mehrheit halten? +++

Wenn dieser Newsletter nicht korrekt dargestellt wird, klicken Sie bitte hier.  
zur FOCUS Online Startseite zur Startseite
News-Service: Deutschland
Folgt Thüringen bald Niedersachsen?
Ministerpräsident Ramelow in der Krise: Kann Rot-Rot-Grün Mehrheit halten?

Nach dem Aus für Rot-Grün in Niedersachsen droht einem weiteren linken Bündnis der Verlust der Regierungsmehrheit. Rot-Rot-Grün in Thüringen steckt in einer existentiellen Krise.

Noch gibt es in Thüringen keine niedersächsischen Verhältnisse. Doch niemand weiß, wie lange das so bleibt. Denn die Lage der rot-rot-grünen Regierung ist höchst instabil – und sie hängt - wie zuvor Rot-Grün in Hannover - an einer Stimme.

Linke, SPD und Grüne haben sich über ihr Vorhaben einer Gebietsreform dermaßen zerstritten, dass niemand mehr im Falle einer Abstimmung darüber für eine Mehrheit im Landtag garantieren mag. Sollte ein Abgeordneter aus dem Bündnis mit Nein stimmen, hätte Ministerpräsident Bodo Ramelow bei dem von ihm ausgerufenen Prestigeprojekt keine Mehrheit mehr.

Schlimmer noch: In Erfurt halten sich hartnäckig Gerüchte, dass Parteiwechsel anstehen könnten. Dann wäre die erste von einem Linken geführte Landesregierung endgültig am Ende. Überhaupt verdankt das Bündnis seine gegenwärtig kappe Mehrheit einem ehemaligen AfD-Mann. Die nach der Wahl erzielte Ein-Stimmen-Mehrheit war verloren, als im Frühjahr eine SPD-Abgeordnete zur CDU gewechselt war. Nun garantiert Oskar Helmerich Rot-Rot-Grün das Überleben, einst die Nummer zwei hinter dem bundesweit wegen seiner nationalistisch-rassistischen Thesen bekannten Björn Höcke, bevor er zur SPD übertrat.

Was als Modernisierungsprojekt galt, droht nun zum Aus zu führen

Die Gebietsreform gilt für die Koalition als Ausweis für die Modernisierung des Freistaats. Vorgesehen ist eine Reduzierung der 17 Landkreise und 850 Gemeinden, von denen am Ende nur 200 übrig bleiben sollen. Die Grünen als kleinster Koalitionspartner waren stets skeptisch, hatten sich aber der Koalitionsdisziplin gebeugt.

Ein kleiner Parteitag am Wochenende entschied jedoch, die Reform auszusetzen, die bei den Kommunalpolitikern auf großen Widerstand stößt. Dies ist übrigens ebenso in den Reihen der sozialdemokratischen Bürgermeister und Landräte. Letzlich konnten die Grünen sich im Koalitionsausschuss am Dienstagabend durchsetzen. Die Reform soll auf 2021 vertagt werden. Die dafür notwendigen Gesetze aber will das Bündnis noch vor den nächsten Landtagswahlen 2019 beschließen.

Erster Anlauf eines Gesetzgebungsverfahrens scheiterte

Der erste Anlauf eines Gesetzgebungsverfahren ist bereits gescheitert. Im Juni erklärte das Landesverfassungsgericht das Vorhaben für nichtig, allerdings aus formalen, nicht aus inhaltlichen Gründen. In die Kritik geraten ist nicht zuletzt dadurch auch Innenminister Holger Poppenhäger. Der SPD-Mann bekommt nun einen Staatssekretär an die Seite gestellt, der sich hauptsächlich mit der Gebietsreform befassen soll. Das beschloss der Koalitionsausschuss zu später Stunde. Was wie eine Arbeitsteilung aussehen soll, wird von der Opposition in Erfurt deutlich als Misstrauensvotum gegen den Minister gewertet.

"Rot-rot-grüne Koalition ist mit Gebietsreform an sich selbst gescheitert"

CDU-Fraktionschef Mike Mohring sagte im Gespräch mit FOCUS Online: „In Umfragen hat Rot-Rot-Grün in Thüringen schon lange keine Mehrheit mehr, und für die Umsetzung ihres zentralen Regierungsprojektes, der Gebietsreform, hat die Linkskoalition nach den Ankündigungen von mehreren Koalitionsabgeordneten keine eigene parlamentarische Mehrheit. Die rot-rot-grüne Koalition ist mit der Gebietsreform an der Thüringer Verfassung und an sich selbstgescheitert: Linke, SPD und Grüne drohen sich mittlerweile offen mit Koalitionsbruch, das Koalitionsklima ist völlig vergiftet. Das von Ramelow zum Start der Koalition beschworene ‚Prinzip Augenhöhe' der Koalitionspartner wurde längst durch einen Dreiklang aus Drohungen, Kampfansagen und Machtfragen abgelöst."

Im Video: "Ich bin keine Verräterin": In Wut-Rede rechnet CDU-Überläuferin mit den Grünen ab

zur aktuellen Meldung »
ZUM THEMA
"Unfassbar": CDU-Mann geht Regierung an - dann pöbelt SPD-Fraktionschefin Auch im Falle einer Niederlage: Martin Schulz will nach der Wahl SPD-Chef bleiben Grünen-Politikerin beerdigt Rot-Grün in Niedersachsen – SPD wittert Verschwörung
Deutschland: aktuelle Meldungen
Auf deutsche Steuerfahnder angesetzt
Karlsruhe klagt Schweizer Agenten wegen Spionage in Deutschland an
Wegen des Verdachts des Ausspionierens deutscher Steuerfahnder hat die Bundesanwaltschaft nun Anklage gegen einen mutmaßlichen Schweizer Agenten erhoben. »
Asylbewerber verbrannte in seiner Zelle
War es doch Mord? Staatsanwaltschaft ermittelt wieder im Fall Oury Jalloh
Hat Oury Jalloh das Feuer in der Polizeizelle selbst gelegt oder war es jemand anderes? Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Tod des jungen Mannes nehmen neue Ermittler den Fall in die Hand. »
Für Anregungen und Verbesserungsvorschläge stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Schreiben Sie an: webmaster@focus.de
Wenn Sie diesen Newsletter künftig im Text-Format erhalten wollen, klicken Sie hier.
Wenn Sie diesen Newsletter abbestellen wollen, klicken Sie hier.
Weitere Newsletter von FOCUS Online finden sie hier.
Verantwortlich für diesen Newsletter: FOCUS Online Group GmbH
St. Martin Str. 66, D-81541 München
Tel. 089/92 50 - 3292, E-Mail: redaktion@focus.de

Geschäftsführer: Daniel Steil, Jürgen Schlott, Andreas Laube, Amtsgericht München, HRB 97887