Am Freitag vor Weihnachten lud die Medizintechnik-Firma Syntellix AG in Hannover zur Hauptversammlung. Es hätte der nächste Showdown im Streit der beiden Großaktionäre Utz Claassen gegen Carsten Maschmeyer werden können. Doch überraschend präsentierten die beiden Lager eine Einigung, bei der alle das Gesicht wahren können.
Zuvor hatte das Maschmeyer-Lager am Montag einen Sieg vor Gericht errungen. In einem Beschluss der 26. Zivilkammer des Landgerichts Hannover, der FOCUS Online vorliegt, heißt es, dass Syntellix eine Sonderprüfung durchführen lassen muss, die Maschmeyer auf einer Hauptversammlung beantragt hatte. Das Maschmeyer-Lager hatte geklagt , weil dieser der Ansicht war, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Claassen den Antrag als Versammlungsleiter bewusst ins Leere laufen lassen. Zuvor war ein Antrag Claassens auf Befangenheit des Richters abgelehnt worden.
Claassens Anteil steigt auf 77,7 Prozent
Wie FOCUS Online aus Kreisen der Investoren erfuhr, kam es daraufhin am Mittwoch zu einer weitreichenden Einigung. Maschmeyer vereinbarte mit Claassen, dass er ihm sämtliche Syntellix-Aktien in seinem Besitz verkaufen wird. Dadurch steigt Claassens Anteil an dem Unternehmen, das orthopädische Schrauben herstellt, die sich nach der Operation auflösen, auf 77,7 Prozent.
Als Kaufpreis sei ein Wert vereinbart worden, der "etwa doppelt so hoch legt wie bei der letzten Kapitalerhöhung". Das kommt Maschmeyer entgegen, der stets kritisiert hatte, dass sein Anteil durch mehrere sehr günstige Aktienemissionen zu stark verwässert wurde. Außerdem habe Maschmeyer eine unlimitierten Besserungsschein erhalten für den Fall, dass Syntellix im Nachhinein bessere Zahlen ausweist als in der Bewertung unterstellt.
Carsten Maschmeyer wollte sich zu dem Deal nicht persönlich äußern. Ein Sprecher der Maschmeyer Group sagte gegenüber FOCUS Online. "Herr Maschmeyer ist hochzufrieden in den Weihnachtsurlaub verreist."
Im Video: Carsten Maschmeyer verrät sein Investment-Geheimnis