Das Fatale an dem potentiell tödlichen Bauchaortenaneurysma: In neun von zehn Fällen verursacht es keine Beschwerden. So wissen die meisten gar nicht, dass Sie betroffen sind. In England heißt die Krankheit daher offiziell „the silent killer", also „der stille Mörder", erklärt Herribert Lösel-Sadée, Chefarzt der Gefäßchirugischen Klinik in Düsseldorf.
Er vermutet, dass von 500.000 Betroffenen in Deutschland etwa 100.000 an einem behandlungsbedürftigen Bauchaortenaneurysma leiden. Bei ihnen ist die Hauptschlagader im Bauch auf einen Durchmesser von mehr als fünf Zentimetern angeschwollen und droht zu platzen. Eine Operation ist dringend nötig. Allerdings werden nur 15 Prozent aller Patienten früh genug behandelt.
Check beim Hausarzt
Mit einer Ultraschalluntersuchung könnten Ärzte eine vergrößerte Bauchaorta erkennen. In Deutschland gibt es jedoch kein verpflichtendes Screening, das die Krankenkassen übernehmen, beklagt Lösel-Sadée. So entdecken Ärzte die Krankheit meist zufällig, etwa wenn sie einen Patienten wegen Gallensteinen behandeln.
Der Experte empfiehlt daher Menschen über 65, regelmäßig einen Ultraschall des Bauchraums machen zu lassen. Stutzig sollten Ärzte auch bei Patienten werden, die an Übergewicht und Diabetes leiden, regelmäßig rauchen und seit kurzem über Rückenschmerzen klagen, die in den Bauchraum ausstrahlen.
Ein solcher Patient erfüllt das Risikoprofil für ein Bauchaortenaneurysma und beschreibt zudem den Schmerz, der entstehen kann, wenn die vergrößerte Aorta auf das Bauchfell drückt.
Risikofaktoren für ein Bauchaortenaneurysma sind
All diese Faktoren schaden den Gefäßen. Zunehmende Ablagerungen verengen die Gefäße, die Wände weiten sich, werden dünner und instabiler. Brechen sie, kommt es zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen.
Möglicherweise sei die Erkrankung auch genetisch bedingt, meint Lösel-Sadée. Dass wesentlich mehr Männer als Frauen betroffen sind, erklärt er mit dem tendenziell ungesünderen Lebensstil von Männern.
Kleiner Eingriff mit künstlichem Blutgefäß
Erkennt der Arzt bei einem Ultraschall eine vergrößerte Bauchaorta, kann er sich im nächsten Schritt mit einer Computertomographie ein genaues Bild der veränderten Form verschaffen.
Bei der traditionellen Operation öffnet der Chirurg den Bauchraum und ersetzt die Bauchschlagader mit einer Kunststoffprothese. Hierfür klemmt er die Gefäße über und unter der geweiteten Stelle ab, öffnet das Aneurysma und näht die Prothese ein.
Eine Behandlung ist heutzutage aber auch möglich, ohne die komplette Bauchhöhle zu öffnen. Mithilfe des sogenannten endovaskulären Stentgraft bleibt nach dem Eingriff nur eine kleine Wunde zurück, erklärt Lösel-Sadée. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus einem stabilisierenden Drahtgeflecht und einem Blutgefäß aus Kunststoff. Patienten seien bereits zwei bis sieben Tagen nach der Operation wieder fit.
Im Rahmen einer Studie dokumentierte Lösel-Sadée die Entwicklung von 144 Patienten nach der Stentgraft-Operation. Die Untersuchung erschien 2015 im Magazin „The Italian Journal of Vascular and Endovascular Surgery" und bestätigte den Nutzen dieser OP-Methode. Während der Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren kam es zu keiner Ruptur des Aorten-Aneurysmas. Es war keine zweite Operation nötig.
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