+++ Der deutschen Wirtschaft droht Überhitzung und Inflation +++

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News-Service: Konjunktur
Nach dem Wirtschaftsboom
Der deutschen Wirtschaft droht Überhitzung und Inflation

Dieser Tage jagt eine Rekordmeldung die nächste: Beschäftigung, Bruttoinlandsprodukt, Löhne. Auch die deutschen Verbraucher zeigen sich so optimistisch wie lange nicht. Doch die Deutsche Bank warnt nun: Der Boom ist trügerisch - und dann droht das böse Erwachen.

Glaubt man den Wirtschaftsnachrichten, die dieser Tage von Wirtschaftsinstituten und Statistikämter abgesetzt werden, so geht es Deutschland besser denn je. Die Arbeitslosenzahlen sinken – konjunkturell bereinigt – immer weiter. Das Geschäftsklima ist euphorisch . Und mehr .

Das alles stimmt – und doch wittern Experten hinter den Rekordnachrichten eine Gefahr. "Die deutsche Wirtschaft wächst jetzt bereits das fünfte Jahr in Folge über ihrem Potential", erklärt Stefan Schneider, Leiter des Teams Makroökonomie beim Bank-Thinktank Deutsche Bank Research. Über Potential, das heißt: Das geht nicht mehr lange so weiter.

"Die Risiken für die Wirtschaft nehmen zu"

In einem Analysepapier hat Schneider gemeinsam mit Kollegen seinen Ausblick für die deutsche Wirtschaft festgeschrieben. Der Titel: Overheating risks are looming (Überhitzungsrisiken kommen auf). Darin argumentieren die Finanzexperten, dass sich die Wirtschaftslage in Deutschland ab kommendem Jahr deutlich verändern wird.

Ähnliches prognostizierten kürzlich auch die Wirtschaftsforscher vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. "Bei bereits merklich über normal ausgelasteten Kapazitäten steht Deutschland an der Schwelle zur Hochkonjunktur", erklärt Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am IfW, in einer Mitteilung. "Vor diesem Hintergrund nehmen auch die Risiken für die Wirtschaft zu."

Lohnsteigerungen: "Ein Risikofaktor für Deutschland"

So stehen Anfang 2018 Tarifverhandlungen in drei wichtigen deutschen Branchen an: der Metall- und Elektroindustrie, dem Öffentlichen Dienst und der Bauindustrie. Schneider und seine Kollegen gehen davon aus, dass es in allen drei Bereichen zu deutlichen Lohnsteigerungen von mehr als drei Prozent kommen dürfte. Schneider folgert: "Das ist ein Risikofaktor für Deutschland, insbesondere für die Wettbewerbsfähigkeit."

Hinzu kommt die wachsende Zahl offener Stellen und die sinkende Zahl der Arbeitslosen. Was erst einmal positiv klingt, setzt die Wirtschaft gleichzeitig unter Druck, weil es weiteres Wachstum erschwert. "Die Ressourcen sind vor allem auf dem Arbeitsmarkt immer stärker angespannt", erklärt Schneider.

Auch das Bruttoinlandsprodukt dürfte in der Folge weiter anziehen. Die Deutsche Bank rechnet mit 1,7 Prozent Wachstum in diesem und 1,6 Prozent im kommenden Jahr. Das IfW geht für 2018 sogar von einer Steigerung von zwei Prozent aus. Gleichzeitig erwarten sowohl die IfW- als auch die Deutsche-Bank-Experten, dass die Sparquote sinkt, der Konsum weiter anzieht und auch die Immobilienpreise weiter steigen.

Die erste Inflation seit der Finanzkrise

All diese Faktoren gemeinsam führen dazu, dass die deutsche Wirtschaft überhitzt. Und das bedeutet insbesondere: eine steigende Inflation. Die dürfte in den nächsten Jahren die Zwei-Prozent-Grenze überschreiten, prognostizieren die Deutsche-Bank-Experten.

Es wäre die erste Inflation in Deutschland seit der Finanzkrise 2008. Inflationsraten von bis zu zwei Prozent definiert die Europäische Zentralbank noch als Preisstabilität. Inflation bedeutet hingegen eine Preissteigerung – und damit eine schleichende Entwertung des Geldes.

Doch auch eine Inflationsrate von über zwei Prozent muss nicht direkt in die Krise führen, wie Wirtschaftsexperte Schneider beschwichtigt: "Der Anstieg dürfte zwar viel deutlicher sein als in den vergangenen Jahren, aber er bleibt dennoch wohl temperiert – es ist quasi eine Überhitzung in deutscher Manier."

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