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Wahlkampf 2017
Angela Merkel gibt sich kampfbereit - und lässt Schulz trotzdem ins Leere laufen

Es gibt nur ein TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz. Also lohnt sich der Vergleich ihrer Einzelinterviews. Heute war die Kanzlerin bei Deutschlandfunk und Phoenix.

Was gibt es Schlimmeres für einen Angreifer, als dass sein Ziel ihn einfach ignoriert? War da was?

Martin Schulz sucht seit Wochen die Auseinandersetzung mit der Bundeskanzlerin, doch die lässt das auch nach ihrem Urlaub ins Leere laufen. Sie erwähnt ihn nicht. Angela Merkel argumentiert nicht gegen die SPD, nicht gegen deren Wahlprogramm und auch nicht gegen den Spitzenkandidaten. Sie bilanziert ihre Arbeit und sagt, dass sie gern vier weitere Jahre machen möchte. Und so erwähnt sie ihren Herausforderer auch nicht ein einziges Mal in dem einstündigen Interview, das heute Abend im Deutschlandfunk und bei Phoenix ausgestrahlt wird.

Merkel: "Ich unterschätze meine Mitbewerber nie"

Die Moderatoren Birgit Wentzien und Michael Hirz fragen zwar explizit nach Martin Schulz, doch sie erhalten nur grundsätzliche Antworten: So findet die Kanzlerin es „schön", dass „beide Spitzenkandidaten" in diesem Wahlkampf pro-europäisch sind. Und sie sagt: „Ich unterschätze meine Mitbewerber nie."

Das könnte den Kanzlerkandidaten schaudern lassen: Peer Steinbrück holte 2013 lediglich 25,7 Prozent, als die Union unter Merkels Führung mit 41,5 Prozent durchs Ziel ging. Frank-Walter Steinmeier fuhr 2009 nur 23,8 Prozent ein, während CDU und CSU bei 33,8 Prozent landeten. Doch gehört es auch zur Merkel-Methode, bloß nicht selbstgewiss oder gar siegessicher aufzutreten. Und so wie sie ihren Herausforderer ignoriert, negiert sie die von vielen empfundene Langeweile dieses Wahlkampfes. Ob es eine Fehleinschätzung gewesen sei, als sie Ende 2015 von dem härtesten Wahlkampf ihrer Laufbahn sprach, wird sie gefragt. Und die Kanzlerin sucht nicht etwa nach einer Erklärung, sondern fragt zurück: „Finden Sie es einfach? Ich muss alles geben."

Im Video: Düstere Prognose für die SPD - jetzt kommt es für die Genossen knüppeldick

Schulz bleibt tabu, nicht aber Nahles und Gabriel

Und das heißt bei ihr, der Öffentlichkeit zu erklären, was sie tut. Vollbeschäftigung? Es wäre ein „falsches Signal, wenn wir sagen würden, die eine Million Langzeit-Arbeitslosen interessieren uns nicht". Und da habe natürlich der Haushalt von Frau Nahles – ihr Name wird genannt, wie übrigens auch der von „Herrn Gabriel" – nach der Wahl noch zusätzliche Mittel zu erwarten.

Diesel-Gipfel? Das Treffen im August „war nur der erste Schritt". Im Herbst werde ein Resümee gezogen, was aus den jetzt getroffenen Vereinbarungen geworden ist. „Da werde ich dabei sein", vorausgesetzt, die Wähler geben ihr die „Chance" für eine vierte Amtszeit. Und noch vor der Wahl lädt sie sowieso noch die Kommunen ein, um zu überlegen, was gegen die Feinstaubbelastung getan werden kann.

Das Rationale steht immer über der Emotion

Persönlich angefasst zeigt Merkel sich nie. Gefragt, ob ihr die Kritik zusetze, durch ihre Flüchtlingspolitik habe sie Europa auseinandergetrieben, erklärt sie erst einmal, was in den vergangenen Monaten alles gut gelaufen sei in Europa und dass mit Blick auf die Verteilung der Flüchtlinge noch dicke Bretter zu bohren seien. Erst auf Nachfrage wehrt sie einfach ab, es wäre doch wohl auch kaum so gewesen, „dass alle freudig Flüchtlinge aufgenommen hätten", wenn sie vorher gefragt hätte.

Das Rationale steht stets vor jeglicher Emotion. Und dass Donald Trump eine „unberechenbare Persönlichkeit" sei, wie es Schulz formulierte, käme Merkel nie über die Lippen. „Schrecklich und böse" seien die Vorgänge vom Wochenende, sagt sie, ohne auf den US-Präsidenten einzugehen. Gegen rassistische und rechtsextreme Gewalt müsse „mit aller Entschiedenheit" vorgegangen werden, „egal wo auf der Welt" sie geschehe. Und auch bei nochmaliger Nachfrage ist sie nicht bereit, den Amerikaner zu kritisieren, sondern erklärt, es gebe mit Blick auf rechte Gewalt in Deutschland genug zu tun, da müsse sie nicht andere kritisieren.

Nicht verwunderlich also auch, dass sie zur Frage der bevorzugten Koalition dabei bleibt, eine Zusammenarbeit mit Linken und AfD auszuschließen – alles Weitere erst später. Und nicht verwunderlich auch, dass sie beim Wandern den Aufstieg dem Abstieg vorzieht: „Mich reizt die Anstrengung", sagt die Kanzlerin und wirkt dabei betont entspannt. Für den Donnerstag haben Phoenix und Deutschlandfunk übrigens Martin Schulz eingeladen. Danach lohnt sich der Vergleich.

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Im Video: Altkanzler Schröder schießt gegen Merkel - CDU-Urgestein weist ihn in die Schranken

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