+++ Der Mann, der alle auslacht +++

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Der Mann, der alle auslacht
Er hat Amazon gegründet, Raketen ins All geschickt, die Cloud vermessen und dem Weihnachtsmann gezeigt, wie man Päckchen packt: Aber wer ist der Mensch Jeff Bezos, der vergangene Woche Bill Gates als reichsten Mann der Welt ablöste?

Als Jeff Bezos vor wenigen Wochen auf der Sun Valley Conference im US-Bundesstaat Idaho erschien, stach er selbst unter all den anderen illustren Milliardären im jährlichen Sommercamp der Reichen und Mächtigen heraus: Er trug ein schwarzes Poloshirt zu lässigen Jeans, den Kopf kahl rasiert und eine Pilotensonnenbrille auf der Nase. Der Auftritt eines Master of the Universe.

Die Meme-Maschine auf Twitter##chartIcon lief sofort heiß und verglich Fotos des Amazon##chartIcon-Gründers und CEOs aus seinen scheuen, nerdigen Anfangsjahren als Internet-Buchhändler mit dem aktuellen Top-Gun-Bild aus Sun Valley: „1998: Ich verkaufe Bücher", schrieb ein Nutzer darunter. „2017: Ich verkaufe whatever the fuck I want."

Für ein paar wenige Stunden, am letzten Juli-Donnerstag, war Jeff Bezos dann tatsächlich der Master of the Universe. Er war der reichste Mann der Welt. Ein Kursanstieg der Amazon-Aktie am Donnerstagmorgen hatte sein Vermögen auf 90,7 Milliarden Dollar erhöht. Damit schob er sich an Bill Gates (Microsoft) vobei, der zu diesem Zeitpunkt lediglich 90 Milliarden Dollar schwer war. Nach Börsenschluss gab die Aktie allerdings wieder nach.

Bezos nimmt niemals einen Aufzug

Wer Jeff Bezos einmal persönlich getroffen hat, dem fallen zwei Dinge sofort auf. Der Mann, der nicht Aufzug fährt, sondern die Treppen nimmt, sprintet diese, allen vorneweg, so schnell hoch, wie auch der Amazon-Börsenkurs nach oben schießt. (Nach unten läuft er übrigens fast noch schneller, aber das nur als Fußnote.)

Und dann ist da noch sein Lachen. Der Techi der ersten Generation spricht analytisch präzise Sätze. Kein Wort ist zu viel. Immer wieder unterbrochen von einem lauten, schallenden Lachen. Über dieses Lachen wird immer geschrieben. Immer. Manche finden es umwerfend sympathisch. Andere sagen, Jeff Bezos setze es als Waffe ein. Niemand anderer in seiner Familie lacht wie er. Nur sein biologischer Vater. Aber den hat er nie getroffen.

Lachen als Waffe

Jeffrey Preston Jorgensen wurde am 12. Januar 1964 in Albuquerque/New Mexico geboren. Er ist das Produkt einer typisch amerikanischen High-School- Liebe. Mutter Jacklyn ist 16, als sie schwanger wird, Vater Ted, der leidenschaftlich Einrad fährt und zum Zirkus will, gerade einmal 18. Die beiden heiraten. Das Ganze geht nicht gut. Jacklyn lässt sich scheiden, als Jeff 17 Monate alt ist.

Der legt bereits als Kleinkind Eigenschaften an den Tag, die sein späteres Leben – und vor allem seinen Erfolg – bestimmen werden: Kreativität und Hartnäckigkeit. Die Legende besagt, dass Bezos mit drei Jahren mithilfe eines Schraubenziehers sein Gitterbettchen zerlegt. Er will endlich in einem Big-Boy-Bett schlafen.

Und im Montessori-Kindergarten, erinnert sich Mutter Jackie in der Biografie „Der Allesverkäufer: Jeff Bezos und das Imperium von Amazon", ist der Kleine oft so vertieft in eine Aufgabe, dass die Erzieherinnen ihn samt Stuhl und Tisch zur nächsten Aktivität tragen müssen. „Er war frühreif, hartnäckig und unglaublich fokussiert."

1968 heiratet Jackie den kubanischen Einwanderer Miguel Bezos. Er adoptiert Jeffrey Preston im Alter von vier Jahren. Biograf Brad Stone sieht in Bezos' Kindheit Parallelen zu Steve Jobs (Apple) und Larry Ellison (Oracle): „Man wird natürlich nie herausfinden, ob die ungewöhnlichen Umstände seiner Geburt dazu beigetragen haben, diesen tiefen Unternehmergeist zu kreieren, einen Mix aus Intelligenz, Ehrgeiz und dem unerbittlichen Bedürfnis, sich selbst beweisen zu wollen. Zwei andere Technologie-Ikonen, Steve Jobs und Larry Ellison, sind ebenfalls adoptiert worden, und gerade diese Erfahrung könnte ihnen die kraftvolle Motivation gegeben haben, unbedingt erfolgreich werden zu wollen."

Erst als er zehn Jahre alt ist, erfährt Jeff, dass Miguel nicht sein biologischer Vater ist. Doch damals hat der schmächtige blonde Junge andere Probleme: Wegen einer Sehschwäche muss er eine Brille tragen. Das ist für einen Zehnjährigen wirklich eine Tragödie. Seinen biologischen Vater Ted, von dem er sein Lachen hat, will Bezos nie treffen: „Was mich anbetrifft, ist mein Vater mein natürlicher Vater", sagt er später einmal in einem Interview.

300 Millionen Kunden

kaufen bei Amazon##chartIcon.com. Das größte Kaufhaus des Internets hat im Juni 2017 372 539 860 Produkte im Sortiment

990 US-Dollar

ist eine Aktie von Amazon derzeit wert. Beim Börsengang 1997 waren es gerade mal 18 Dollar

45 Prozent

der digitalen Cloud gehören Bezos, der mit seinen Server-Farmen Weltmarktführer des Cloud-Computing ist

Von seinem Großvater lernte Jeff, „wie man aus nichts etwas macht"

Den größten Einfluss auf den jungen Bezos hat aber wohl der Großvater. Von dem habe er gelernt, „wie man aus nichts etwas macht", wird er später über den Opa erzählen. „Nur durch Zuschauen. Ohne große Erklärungen." Auf der Ranch der Großeltern verbringt er seine Sommer. Er hilft, Traktoren und Windräder zu reparieren.

Und der alte Mann gibt ihm eine ganz besondere Lektion mit auf den Weg. Bezos erzählt sie seinerseits 2010 als Abschlussredner an der Elite-Universität Princeton weiter: „Bei einer Autofahrt, ich war zehn, saß ich auf dem Rücksitz. Mein Großvater fuhr, meine Großmutter saß daneben. Sie rauchte, und ich hasste den Geruch. In dieser Zeit ergriff ich jede Gelegenheit zu rechnen. Ich hatte von einer Kampagne gegen das Rauchen gehört. Die Aussage war: Jeder Zug nimmt dir ein paar Minuten deines Lebens, ich glaube zwei Minuten."

Im Video: Jeff Bezos private Weltraum-Firma präsentiert Kapsel für Weltraumtouristen

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