+++ Showdown am Bodensee: Zum Finale dreht Klara Blum nochmal auf +++

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Letzter „Tatort" aus Konstanz im Check
Showdown am Bodensee: Zum Finale dreht Klara Blum nochmal auf

Klara Blum und Kai Perlmann nehmen ihren Abschied. Nach 14 Jahren und 31 Fällen lief heute mit „Wofür es sich zu leben lohnt" der letzte „Tatort" vom Bodensee – und der hatte es in sich: Hexen, ein rechter Prediger und eine Kommissarin mit schwachem Herz. Einer ihrer besten Fälle!

Worum geht's eigentlich? Klara Blum (Eva Mattes) muss nach zwei Herzinfarkten kürzer treten, sagt ihr Arzt, und läutet damit schon am Anfang das Ende ein. Vorher muss sie aber noch einen Fall lösen: Josef Krist (Thomas Loibl), ein rechtsextremer Prediger, der zuvor mit provokanten Thesen gegen Flüchtlinge gehetzt hat, wird ermordet. War es einer seiner Feinde oder doch die eigene Ehefrau?

Der Schweizer Kommissar Matteo Lüthi (Roland Koch) steckt derweil in einem anderen Mordfall fest: ein schwerreicher Anlagebetrüger wurde vergiftet im eigenen Garten gefunden. Lüthis Lieblingsverdächtiger, der jungen Ehefrau und Alleinerbin, kann er aber leider nichts nachweisen. Und dann gibt es noch einen Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch, für die der reiche Textilunternehmer Maximilian Heinrich (Matthias Habich) zur Verantwortung gezogen werden soll. Drei Fälle, die nichts miteinander zu tun haben. Oder doch? Wann stirbt das Opfer? Nach fünf Minuten wird die Leiche von Josef Krist auf einem Boot liegend am Ufer angeschwemmt. Sein ganzer Körper ist mit Schnitten übersät, der Mann musste offensichtlich elend verbluten.

Die undurchsichtigsten Figuren: Sind diesmal in der Mehrzahl, nämlich fünf. Das seltsame Mutter-Tochter-Duo Anna (Julia Jäger) und Marie Krist (Paula Knüpling), das abgeschottet lebt und abhängig war von ihrem ermordeten Ehemann und Vater. „Meine Mutter ist meine Freundin," sagt die Tochter, die angeblich keinen Kontakt zu Gleichaltrigen pflegt. Welche Abgründe beide verbergen, kommt später noch ans Licht.

Und dann wäre da noch das verdächtige Alte-Damen-Trio Catharina (Hanna Schygulla), Isolde (Irm Hermann) und Margarethe (Margit Carstensen) mit Talent zum Verschwinden, das in seinem Häuschen am See seltene Pflanzen züchtet und Sinnsprüche über das Leben weitergibt. Das Klischee der Kräuterhexe wird hier leider etwas offensichtlich bedient. Der härteste Kampf: Ist der von Klara Blum gegen ihr Herz, das nicht mehr so will wie sie.

Der coolste Typ: Bootsverleiher Goldmann (Alexander Simon). Kifft, betrügt die Steuer und lässt keine braunen Schweine mit seinen Bötchen fahren. Auf Klara Blums Frage, was er in der Tatnacht gemacht hat, gibt's auch nur eine lässige Antwort: „Ficken." Die mindestens so coole Kommissarin zuckt dabei aber nicht mal mit der Wimper.

Hier lernt man was, und zwar… Kleine Lebensweisheiten, wie: „Hör auf zu suchen, triff Entscheidungen, fang an zu sein." Kann man ja später mal drüber nachdenken.

So lange dauert es, bis man weiß wer der Mörder ist: Schon anfangs hat man eine leise Ahnung, doch erst nach 56 Minuten liefern die Kommissare ein wichtiges Indiz, das auch Hinweis auf ein Motiv gibt. Drei Minuten später ist aber schon wieder alles ganz anders. Herausragende Schauspielerin: Julia Jäger spielt die Witwe von Josef Krist, eine (nach eigenen Angaben) gehirngewaschene Eislady, von deren geheimnisvoller Aura selbst Kommissar Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) fasziniert ist.

Die witzigste Szene: Kommt gleich am Anfang und ist typisch für das Verhältnis der beiden Kommissare: Klara Blum am Telefon mit Kai Perlmann, er wähnt sie in Portugal, sie war heimlich in einer Herz-Klinik und ist gerade zu Fuß auf dem Heimweg. Zufällig biegt sie um die Ecke, hinter der er steht. Perlmann starrt entgeistert, Blum verschwindet kommentarlos und lässt ihn verwirrt und sprachlos zurück. Er hat seine Chefin noch nie wirklich verstanden, sie gab ihm nie die Chance dazu.

Der beste Dialog: … ist eigentlich ein Monolog. Perlmann befragt einen Stummen, kennt aber kein einziges Zeichen der Gebärdensprache. Als der Mann ihm versucht das Wort „Höhenangst" vorzumachen, steht der Ermittler auf dem Schlauch und bemerkt frech: „Ist ein bisschen mühsam mit Ihnen." Der Stumme zeigt nur den Mittelfinger und geht. Ach, Perlmann!

Das Geheimnis der drei Hexen: Irm Herrmann, Hanna Schygulla, Margit Carstensen und auch Eva Mattes sind alte Bekannte. Sie drehten alle mit Rainer Werner Fassbinder, der Ikone des Neuen Deutschen Films („Die bitteren Tränen der Petra von Kant"). Es war ein Abschiedsgeschenk vom SWR an Eva Mattes.

Härtegrad des Kommissars: „Hast du jetzt das Sorgerecht für mich bekommen?" fragt Blum ihren jüngeren Kollege. Der macht sich zurecht Sorgen: Klara Blum ist krank, sie vertuscht ihren Krankenhausaufenthalt, nimmt heimlich Herztabletten und schwindelt ihren Kollege an. Als Perlmann sie darauf anspricht, wirft sie ihm nur ein nüchternes „Wir arbeiten zusammen, das wars" hin. Und auch das nicht mehr lang.

Der romantischste Moment: „Ich mag dich", sagt Lüthi zu Klara Blum. Nur ihm gegenüber kann sie sich öffnen und ihre Krankheit eingestehen.

Kompliziertheit des Privatlebens der Kommissare von 1-10: Zweimal 0. Hier geht es nur noch um das Team und seinen letzten Fall. FOCUS-Online-Fazit: Sie waren eines der beliebtesten „Tatort"-Teams und beweisen am Schluss nochmal, warum: Eine plausible Auswahl Verdächtiger, eine Geschichte mit geschickten Wendungen, gelungene Besetzung der Figuren und ein überraschendes Ende machen aus dem Fall einen spannenden und würdigen Abgang. Wir werden nicht nur den trockenen Humor des Duos vermissen, sondern auch dieses Mystische des Bodensees, das es so bei keinem anderen „Tatort" gab. Und nicht zu vergessen die sympathische Assistentin Beckchen (Justine Hauer). Einschalten!

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