+++ Ex-Nachbarin von Anis Amri: „Ich habe Todesangst, dass er wiederkommt“ +++

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Dortmund
Ex-Nachbarin von Anis Amri: „Ich habe Todesangst, dass er wiederkommt"

Der mutmaßliche Berlin-Attentäter Anis Amri hielt sich eine Zeitlang in Dortmund bei einem bekannten Salafisten auf. Nachbarn erkannten ihn auf den Fahndungsfotos und haben nun Angst, dass er auf seiner Flucht zurückkehren könnte.

Eine ruhige Wohngegend östlich der Dortmunder Innenstadt. Ein Kindergarten, ein kleiner Park, daneben zwei- und dreistöckige Mietshäuser. In manchen Fenstern leuchten Sterne, Tannenzweige hängen über den Eingängen. Hier wohnte ein mutmaßlicher IS-Unterstützer und auch der derzeit meistgesuchte Mann Deutschlands hielt sich hier auf: Anis Amri, der das blutige Attentat auf den Weihnachtsmarkt in Berlin verübt haben soll.

In einem der langgestreckten Wohnblöcke wohnte bis zu seiner Festnahme am 8. November Boban S. zusammen mit seiner Lebensgefährtin Nadine H. S. ist ein deutsch-serbischer Konvertit und sitzt in Haft, weil zusammen mit vier weiteren Männern in dringendem Tatverdacht steht, die Terrormiliz Islamischer Staat unterstützt zu haben.

"Er war mehrfach hier"

In der Wohnung in Dortmund sollen sie konspirative Treffen abgehalten haben, um junge Männer zu radikalisieren und für den Kampf in Syrien und Irak anzuwerben. Eine der Personen, die sich zumindest zeitweise hier aufhielten, ist Anis Amri. Mehrere Nachbarn bestätigen anhand der Fahndungsbilder von Amri unabhängig voneinander, dass sie den Tunesier hier gesehen haben.

Rita S. (Name geändert) besucht oft ihre Schwiegereltern, die in dem Haus wohnen. Die junge Frau hat die Fahndungs-Fotos von Anis Amri in den Medien gesehen und hat ihn darauf wiedererkannt. Sie ist sich sicher: „Er war vor rund einem Jahr mehrfach hier. Ich habe ihn mindestens drei Mal gesehen. Er lief mir im Treppenhaus über den Weg. Er kam von oben, wohl aus der Wohnung von H."

Im Video: Fingerabdrücke im Lkw! Haftbefehl gegen Terror-Verdächtigen Anis Amri

Die Wohnung von Boban S und seiner Lebensgefährtin war vor einigen Wochen Schauplatz einer großangelegten Razzia. Damals wurde der 27-Jährige festgenommen. Parallel stürmte die Polizei weitere Räumlichkeiten, unter anderem in Hildesheim. Hier predigte einer der Festgenommenen, Ahmed Abdelasis A., besser bekannt als Abu Walaa. Er soll zu den führenden Ideologen des IS in Deutschland gehören. Die Hildesheimer Moschee des Vereins "Deutscher Islamkreis" gilt als Hauptwirkungsstätte des salafistischen Netzwerks rund um Walaa. Zu diesem Kreis gehören offenbar auch Boban S. und Anis Amri.

Die Nachbarn von Boban S. haben natürlich mitbekommen, dass dessen Wohnung zu einem Treffpunkt von jungen Muslimen geworden war. Regelmäßig seien verschleierte Frauen und bärtige Männer, immer getrennt, ein- und ausgegangen. Aber daran hatte sich nie jemand gestört, es blieb friedlich.

"Was passiert, wenn der wiederkommt?"

Seit dem Polizeieinsatz vor einigen Wochen sehen die Anwohner das Treiben in ihrer Nähe mit anderen Augen. Und seit sie wissen, dass auch Anis Amri sich hier aufhielt, sind sie alarmiert. Rita S.: „Ich habe wirklich Todesangst. Was passiert, wenn der wiederkommt? Er ist doch auf der Flucht, hier kennt er jemanden. Jetzt sollte die Polizei die Wohnung durchsuchen und im Blick behalten."

Dass Dortmund eine wichtige Rolle bei der Suche nach Anis Amri spielt, zeigt auch, dass im Zusammenhang mit der Fahndung am Donnerstag mehrere Wohnungen von Polizei-Sondereinsatzkommandos gestürmt wurden und vier Personen zumindest zeitweise festgenommen wurden. Es ist zu erwarten, dass dies nicht die letzten Einsätze im Fall Anis Amri in Dortmund waren.

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