+++ Tragische Versäumnisserie: Fünf verpasste Gelegenheiten, Amri zu stoppen +++

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Dringend tatverdächtig
Tragische Versäumnisserie: Fünf verpasste Gelegenheiten, Amri zu stoppen

Der Tunesier Anis Amri soll den Lkw gefahren haben, der auf einen Berliner Weihnachtsmarkt gesteuert wurde und zwölf Menschen tötete. Jetzt ist der dringend Tatverdächtige auf der Flucht. Besonders bitter: Amri war polizeibekannt, saß sogar in Abschiebehaft. FOCUS Online zeigt fünf Momente, in denen die Behörden Amri auch schon vor der Fahndung hätten stoppen müssen.    

1. Einreise nach Deutschland möglich, obwohl er schon in Italien verurteilt war

Anis Amri kam höchstwahrscheinlich 2011 in Italien an. Auf Lampedusa wurde er schnell auffällig, soll sogar ein Camp mit anderen Flüchtlingen angezündet haben. Daraufhin kam er für vier Jahre in Haft und sollte danach abgeschoben werden. Eine Ausweisung kam allerdings nicht zustande, weil die tunesischen Behörden seine Papiere nicht anerkannten.

Anis Amri setzte sich ab und reiste nach Deutschland. Wäre er an der Grenze aufgehalten und kontrolliert worden, so hätte er laut Dublin-Verfahren gar nicht erst einreisen können, weil er schon in Italien gemeldet gewesen war.

2. Anschließende Observation

Nach seiner Ankunft in Deutschland geriet der junge Tunesier offenbar rasch ins Visier der Ermittler. Laut NRW-Innenminister Ralf Jäger wurde Amri von mehreren Sicherheitsbehörden als "Gefährder" eingestuft, weil er Kontakte zur radikalislamischen Szene unterhielt. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge gehörte dazu der Hildesheimer Hassprediger Abu Walaa, der im November gemeinsam mit vier weiteren mutmaßlichen Mitgliedern eines IS-Rekrutierungszentrums festgenommen wurde.

Die Polizei habe sogar die Telekommunikation des Verdächtigen überwacht. Schon in einem Eintrag zur verdeckten Fahndung vom 5. Februar hieß es laut „Spiegel Online", dass es einen "mutmaßlichen Bezug zum IS" gebe und eine "intensive Kontrolle der Person" vorgeschlagen werde. Er war der Polizei wegen Körperverletzung bekannt, wechselte offenbar häufig Identitäten und Aufenthaltsorte. Pflichttermine beim Bamf ignorierte er.

Doch irgendwann endete die Observation – und Amri konnte abtauchen. Bis heute.

Im Video: Fingerabdrücke an Lkw gesichert: Jetzt ist sicher, dass Anis Amri im Todes-Lkw saß

3. NRW-LKA wusste von Anschlagsplänen seit Sommer 2016

Spätestens seit dem Sommer 2016 plante Amri Anschläge in Deutschland. Dies berichtete nach FOCUS-Informationen ein V-Mann am 21. Juli 2016 dem Landeskriminalamt (LKA) in Nordrhein-Westfalen. Im kleinen Kreis des Terrornetzwerks um den Hassprediger Abu Walaa aus Hildesheim soll Amri wiederholt von seinen Attentatsplänen gesprochen haben. Über den Polizeiinformanten soll er sich nach der Beschaffung von Waffen erkundigt haben, suchte offenbar schon nach Komplizen. Die Polizei nahm ihn trotzdem nicht fest. Um ihren Informanten zu schützen?

4. Keine Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden der Länder

Der mutmaßliche Täter war in einer Asylbewerberunterkunft in NRW gemeldet, hielt sich seit Februar aber vor allem in Berlin auf, wie NRW-Innenminister Ralf Jäger am Mittwoch sagte. Offensichtlich gab es keine oder nur eine unzureichende Zusammenarbeit zwischen den Ländern.

Die "Rheinische Post" berichtet online, dass die NRW-Sicherheitsbehörden ihre Berliner Kollegen darüber informiert hatten, dass Amri in Richtung Bundeshauptstadt unterwegs sei. Was aus dieser Information in Berlin gemacht wurde, sei allerdings nicht bekannt.

5. Gescheiterte Abschiebung auch in Deutschland

Am 30. Juli wurde Amri in Baden-Württemberg aufgegriffen. Er gab sich laut "Spiegel" als politisch verfolgter Ägypter aus. Weil er aber kaum Angaben zu Ägypten machen konnte, wurde sein Asylantrag innerhalb weniger Wochen als "offensichtlich unbegründet" abgelehnt. Ein Amtsrichter ordnete noch am selben Tag eine Abschiebehaft an. Der Verdächtige wurde daraufhin in die JVA Ravensburg überstellt. Das baden-württembergische Justizministerium bestätigte FOCUS Online, dass Anis Amri jedoch nicht abgeschoben wurde.

Der Grund: Am 1. August um 16.59 Uhr ordnete die zuständige Ausländerbehörde Kleve in NRW an, dass Anis A. entlassen werden soll. Eine Begründung gab es offenbar nicht. Anis Amri kam frei und wurde daraufhin nicht weiter beobachtet. Aus NRW heißt es, dass man die Abschiebehaft aufheben musste, weil der Verdächtige keine Papiere hatte. Denn ohne Papiere konnten die Behörden nicht feststellen, wohin Anis Amri hätte abgeschoben werden sollen. Erst zwei Tage nach dem Attentat in dieser Woche lieferte die tunesische Regierung die entsprechenden Dokumente.

Im Video: Anis Amris Spur durch die EU: Er wurde schon als junger Flüchtling auffällig

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jr/
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