+++ Die SPD will jubeln und verzeiht ihrem Kanzlerkandidaten eine Rede ohne Programm +++

Wenn dieser Newsletter nicht korrekt dargestellt wird, klicken Sie bitte hier.  
zur FOCUS Online Startseite zur Startseite
News-Service: Bundestagswahl 2017
Politischer Aschermittwoch
Die SPD will jubeln und verzeiht ihrem Kanzlerkandidaten eine Rede ohne Programm

Martin Schulz will regieren. Das ist die zentrale Botschaft seiner Rede beim politischen Aschermittwoch. Und er will das Land gerechter machen. Doch da wird CSU-Chef Horst Seehofer wesentlich konkreter.

Die SPD ist euphorisch. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Union in den Umfragen - das hat die Partei nach ihrem jahrelangen Tief nicht zu träumen gewagt. Und darum feierte sie an diesem Aschermittwoch in Vilshofen auch den Mann, der ihr diesen Höhenflug beschert. Dabei hielt Martin Schulz keine außergewöhnliche Rede. Er präsentierte keinen besonderen Sprachwitz und setzte auch nur vereinzelt Pointen gegen den politischen Gegner. Vor allem aber: Schulz lieferte weiterhin keine Inhalte.

Zentrale Botschaft des Sozialdemokraten war nach wie vor die Absichtserklärung, Deutschland gerechter zu machen. Er spielte dabei erneut gekonnt mit Emotionen, vermittelte, er selbst und sein Publikum wüssten, wie sich Ausgrenzung anfühlte. Doch blieb er weiterhin die Antwort schuldig, wie er dagegen angehen will. Der Hinweis, es gefährde nicht die deutsche Wettbewerbsfähigkeit, wenn das Arbeitslosengeld I länger gezahlt würde, reicht nicht für ein Wirtschaftsprogramm. Auch nicht die Ankündigung, möglichst viele Arbeitsverhältnisse, in denen Mindestlohn gezahlt wird, in die Ebene der Tariflöhne zu bringen.

CSU will für Steuererleichterung und Vermögensbildung kämpfen

Wenn es darum geht, bessere Rahmenbedingungen für einen Großteil der Bevölkerung anzukündigen, wurde Horst Seehofer beim politischen Aschermittwoch in Passau wesentlich konkreter. Der CSU-Chef versprach Steuererleichterungen für die unteren und mittleren Einkommen sowie die Abschaffung des Solidaritätszuschlags – und obendrein eine Offensive zur Eigentumsbildung für Familien mit jährlich Zuschlägen von 1200 Euro pro Kind.

Natürlich muss Seehofer davon noch die CDU, allen voran die Bundeskanzlerin, überzeugen. Hier fuhr er allerdings einen moderaten Kurs. Nachdem er sie monatelang wegen der Flüchtlingspolitik attackiert hatte, betonte er nun nachdrücklich, dass es Deutschland noch nie so gut gegangen sei wie nach den zwölf Jahren, in denen Angela Merkel das Land regierte. Doch musste der Bayer schon aus Gründen der eigenen Glaubwürdigkeit auch betonen, dass er an der Forderung nach der Obergrenze festhalte.

Gegen die Kanzlerin kann aber auch Schulz mit der Flüchtlingspolitik nicht punkten. Ausdrücklich sagte er, es sei richtig gewesen, dass Deutschland 2015 und 2016 als größtes Land der EU auch die meisten Flüchtlinge aufgenommen habe. Die Kritik des SPD-Kanzlerkandidaten zielte allein auf die übrigen Mitgliedsstaaten, die sich in dieser Frage der Solidarität verweigerten. Damit liegt er klar auf der Linie seiner politischen Konkurrentin.

Wie lange gibt sich die SPD-Basis mit dem Ungefähren zufrieden?

Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Haltung auf die SPD-Werte auswirkt. Kann Schulz tatsächlich Nicht-Wähler der vergangenen Jahre für die SPD zurückgewinnen oder greift er der AfD dauerhaft Zustimmung ab? Entschieden sprach er sich auf jeden Fall gegen die „Feinde der Demokratie in diesem Land" aus, die „keine Alternative, sondern eine Schande" seien.

Während die CSU Rot-Rot-Grün als Gefahr für Deutschland darstellte und zur Mobilisierung des Bürgerlichen aufrief, ging Schulz überhaupt nicht erst auf die Frage ein, mit wem er seinen Anspruch, ins Kanzleramt einzuziehen, umsetzen will. Er erwähnte die Grünen nicht, die Linke nicht und auch nicht die FDP, mit der theoretisch eine Ampel-Koalition gebildet werden könnte. Sein Publikum schien das nicht zu stören. Fürs Erste reicht der SPD und ihren Anhängern das in den Blick genommene Ziel, nach zwölf Jahren wieder den Kanzler zu stellen. Man darf gespannt sein, ob sich die Wähler am Ende damit zufriedengeben.

Im Video: Union verliert weiter - doch das ist nicht die einzige schlechte Nachricht für Merkel

zur aktuellen Meldung »
ZUM THEMA
Schein-Gefechte: Was wirklich hinter Schulz' Angriff auf die Agenda 2010 steckt "Mehr Arbeitslosengeld reicht nicht: Martin Schulz macht Politik von gestern"
Bundestagswahl 2017: aktuelle Meldungen
+++ Bundestagswahl im News-Ticker +++
SPD-Landeschefin sieht Kretschmann nahe bei der CSU
Am 24. September 2017 wird in Deutschland der Bundestag gewählt. Der Wahlkampf ist bereits in vollem Gange: Die SPD geht mit Martin Schulz in die Offensive gegen die Union, die erneut Angela Merkel als Kanzlerkandidatin stellt. Die Grünen wollen mit einem Realo-Duo punkten, die FDP hofft auf einen Wiedereinzug ins Parlament. Alle Informationen zur Bundestagswahl 2017 im News-Ticker von FOCUS Online. »
Bundestagswahl 2017
Selbst SPD-Politiker warnen vor Rot-Rot-Grün: "Würden hohen Blutzoll zahlen"
Für SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist ein rot-rot-grünes Bündnis derzeit die einzige Machtoption. Mit seiner Absage an die Agenda 2010 in ihrer heutigen Form zeigt sich Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht offen für eine Koalition mit der SPD. Doch Rot-Rot-Grün ist selbst für einige SPD-Politiker ein Schreckgespenst. »
Für Anregungen und Verbesserungsvorschläge stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Schreiben Sie an: webmaster@focus.de
Wenn Sie diesen Newsletter künftig im Text-Format erhalten wollen, klicken Sie hier.
Wenn Sie diesen Newsletter abbestellen wollen, klicken Sie hier.
Weitere Newsletter von FOCUS Online finden sie hier.
Verantwortlich für diesen Newsletter: FOCUS Online Group GmbH
St. Martin Str. 66, D-81541 München
Tel. 089/92 50 - 3292, E-Mail: redaktion@focus.de

Geschäftsführer: Daniel Steil, Jürgen Schlott, Andreas Laube, Amtsgericht München, HRB 97887