+++ Das ist der künftige SPD-Chef und Kanzlerkandidat +++

Wenn dieser Newsletter nicht korrekt dargestellt wird, klicken Sie bitte hier.  
zur FOCUS Online Startseite zur Startseite
News-Service: Deutschland
Martin Schulz
Das ist der künftige SPD-Chef und Kanzlerkandidat

Jetzt bekommt er also tatsächlich, was er die ganze Zeit wollte. Martin Schulz wird Kanzlerkandidat der SPD und übernimmt den Parteivorsitz von Sigmar Gabriel. Die Rückkehr des ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten von Brüssel nach Berlin hat sich für Schulz damit schon jetzt gelohnt.

„Ehrgeizig", „machtbewusst", „zielstrebig": Wer in den Wochen vor seinem Gang nach Berlin mit Menschen sprach, die Martin Schulz kennen, konnte ahnen, dass dieser nichts dem Zufall überlassen wird.

Lange sah es so aus, als ob er nur prominenter Unterstützer eines Kanzlerkandidaten Gabriel sein würde. Dass Schulz nicht gern die Nummer 2 hinter Gabriel gewesen wäre, war stets ein offenes Geheimnis. Nun erklimmt Schulz mit 61 Jahren selbst den Thron der Partei.

Schulz ist weit beliebter als Gabriel - und liegt gleichauf mit Merkel

Schulz habe „die eindeutig besseren Wahlchancen" als er, musste Gabriel nun im „Stern" zugeben. Tatsächlich spielen Schulz' Beliebtheitswerte in einer anderen Liga. Mit 57 Prozent Zustimmung laut ARD-Deutschlandtrend gehört er – Stand Dezember – zu den beliebtesten Politikern Deutschlands, liegt gleichauf mit Merkel und satte 14 Punkte vor Gabriel.

Dass Schulz es nun bis zum SPD-Kanzlerkandidaten schafft, hat vor allem mit harter Arbeit und den oben genannten Eigenschaften zu tun, die auch Parteifreunde wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder herausstreichen.

Zu schlechte Leistungen: Das Gymnasium verließ er ohne Abitur

Er kommt aus kleinen Verhältnissen, der Vater entstammte einer sozialdemokratisch orientierten Bergmannsfamilie, die Mutter kam aus einem streng katholischen Haus und gehörte später zu den Gründungsmitgliedern des CDU-Ortsverbandes Würselen.

Bei ihm daheim habe das Geld nicht immer für Schulbücher gereicht, erzählte Schulz einst. Schulz – das jüngste von fünf Kindern – besuchte ein katholisches Gymnasium, das er 1974 wegen schlechter schulischer Leistungen verlassen muss. Ohne Abitur.

Erst die Alkoholsucht, dann der steile Aufstieg

Nachdem er als junger Erwachsener eine Zeit lang dem Alkohol verfallen war, machte er sich als Buchhändler selbstständig und nahm auch auf der politischen Karriereleiter eine Stufe nach der anderen.

Mit 31 Jahren wurde Schulz 1987 in seiner Heimatstadt zum damals jüngsten Bürgermeister Nordrhein-Westfalen gewählt. Sieben Jahre später folgte der Einzug ins Europaparlament, wo er als wortgewaltiger Lautsprecher erst Vorsitzender der Sozialdemokraten wurde und schließlich von 2012 bis 2017 Parlamentspräsident war. In Europa war Schulz spätestens seit 2003 bekannt wie ein bunter Hund, als der damalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ihn mit einem Nazi-Vergleich beleidigte.

Lob für Schulz: "Du gibst niemals nach im Kampf für Dinge, an die du glaubst"

2015 bekam Schulz für seinen Beitrag zur Stärkung der europäischen Demokratie den Aachener Karlspreis verliehen. „Jeder, der dich kennt, weiß, dass immer mit dir gerechnet werden muss. Du gibst niemals auf und gibst niemals nach im Kampf für die Dinge, an die du glaubst", sagte EU-Gipfelchef Donald Tusk damals mit Hochachtung zu Schulz – Worte, die aus heutiger Sicht wahrer denn je sind.

Tusk beobachte voller Bewunderung, wie der Deutsche „mit eindrucksvoller Autorität" die großen europäischen Debatten lenke und dabei wirke wie „der gefürchtete Dirigent eines großen demokratischen Orchesters".

Als abgehoben, machtbesessen und egoistisch beschreiben ihn seine Kritiker

Dennoch eckt Schulz mit seiner Art auch an. In Brüssel waren sogar einige Sozialdemokraten ziemlich froh, als der 61-Jährige ging. Zu abgehoben, zu sehr auf den eigenen Vorteil bedacht habe Schulz zuletzt agiert, lautete die weit verbreitete Kritik.

Dem entgegen steht Schulz' Selbstdarstellung. Gerne verlinkt er auf seiner Internetseite zu Beiträgen, die ihn als „Der bodenständige Buchhändler" präsentieren oder als Politiker, der „immer auf Achse, immer im Modus der Krisenbewältigung und immer am Reden" ist.

Während seiner Alkoholsucht sei er ein "Sausack" gewesen

Über das vielleicht finsterste Kapitel seiner Vergangenheit spricht der fußballbegeisterte Vater von zwei Kindern mittlerweile offen: „Vielleicht kann mein Leben anderen Mut machen, auch ihre Sucht anzugehen", sagte er der Zeitschrift „Bunte" zu seiner früheren Alkoholsucht. Er sei damals ein „Sausack" gewesen. Vom „Sausack" zum Kanzler – seit heute ist das keine Schulz'sche Spinnerei mehr, sondern eine reale Möglichkeit.

Im Video: Deutsche Führungselite war sich längst sicher: Gabriel ist der falsche SPD-Kandidat

zur aktuellen Meldung »
hau/mit dpa
ZUM THEMA
"Wenn ich anträte, würde ich scheitern": Schulz wird statt Gabriel SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wird Kanzlerkandidat der SPD Mann mit Doppelpass wird erster Außenpolitiker des EU-Parlaments
Deutschland: aktuelle Meldungen
Nach Verzicht auf Kanzlerkandidatur
Schon am Freitag muss Gabriel jetzt wohl als Außenminister vereidigt werden
Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel will nach seinem Verzicht auf die SPD-Kanzlerkandidatur Außenminister werden. Das wirbelt nun den Terminkalender der Bundespolitik mächtig durcheinander. »
+++ Bundestagswahl im News-Ticker +++
"Wenn ich anträte, würde ich scheitern": Schulz wird statt Gabriel SPD-Kanzlerkandidat
SPD-Chef Sigmar Gabriel verzichtet auf die Kanzlerkandidatur und schlägt den bisherigen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz als Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel vor. Schulz solle auch Parteichef werden, sagte Gabriel am Dienstag nach Teilnehmerangaben in der SPD-Fraktionssitzung in Berlin. »
Für Anregungen und Verbesserungsvorschläge stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Schreiben Sie an: webmaster@focus.de
Wenn Sie diesen Newsletter künftig im Text-Format erhalten wollen, klicken Sie hier.
Wenn Sie diesen Newsletter abbestellen wollen, klicken Sie hier.
Weitere Newsletter von FOCUS Online finden sie hier.
Verantwortlich für diesen Newsletter: FOCUS Online Group GmbH
St. Martin Str. 66, D-81541 München
Tel. 089/92 50 - 3292, E-Mail: redaktion@focus.de

Geschäftsführer: Daniel Steil, Jürgen Schlott, Andreas Laube, Amtsgericht München, HRB 97887