+++ Nordafrikaner oder nicht? So kam es zur Falsch-Einschätzung der Polizei +++

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Kölner Silvesternacht
Nordafrikaner oder nicht? So kam es zur Falsch-Einschätzung der Polizei

Nach den massenhaften Übergriffen auf Frauen im vergangenen Jahr richteten sich Silvester 2016 viele bange Blicke nach Köln. Tatsächlich kamen laut Polizei wieder viele "nordafrikanisch beziehungsweise arabisch aussehende junge Männer" zum Kölner Hauptbahnhof und zum Deutzer Bahnhof.

Wieso zog es an Silvester erneut viele Männer nach Köln? Mit einer eigens eingerichteten „Arbeitsgruppe Silvester" will die Polizei die Hintergründe klären. FOCUS Online fragte bei der Polizei nach dem neuesten Stand an Daten und Fakten.

  • Identitäten festgestellt bei: 674 Personen (Polizeisprecher: „Bei ihnen haben wir die Personalien und gehen davon aus, dass sie am Bahnhof waren")
  • Angezeigte Delikte: 3 (Sexualdelikte rund um den Dom und den Hauptbahnhof. Dabei handelt es sich laut Polizei nicht um Vergewaltigungen, sondern um sexuelle Belästigungen und Beleidigungen. Die Ermittlungen laufen.)
  • Festnahmen: 13 („zusätzlich 55 Ingewahrsamnahmen")
  • Platzverweise: 196

Eine besondere Kontroverse stellte dieses Jahr die Nationalität der untersuchten Personen dar. Polizeipräsident Jürgen Mathies hatte am 1. Januar von 650 überprüften Personen gesprochen, die „zu 98 Prozent" aus dem nordafrikanischen Raum stammten.

Doch nicht mehrheitlich nordafrikanische Männer: Wieso lag die Polizei zunächst so falsch?

Offenbar ein Irrtum. Zwei Wochen später korrigierte die Polizei ihre Angaben. Demnach stammten die überprüften Männer nur zu einem geringen Teil aus Nordafrika. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Iraker die größte Gruppe darstellen (99 kontrollierte Personen), gefolgt von Syrern (94), Afghanen (48) und Deutschen (46). Nur 17 waren demnach Marokkaner und 13 Algerier.

Wie konnte es passieren, dass die Polizei zunächst überwiegend von Nordafrikanern sprach und so deutlich zurückrudern musste? Gibt es auch hierzu schon neue Erkenntnisse? „Leider sind die Diskussionen um die Herkunft der kontrollierten Personen entstanden, bevor wir unsere Ermittlungen abschließen konnten", sagt ein Sprecher zu FOCUS Online.

Muttersprachler vor Ort gaben der Polizei Hinweise

Er verweist auf Hinweise von mehreren Muttersprachlern, die vor Ort um die Dom-Gegend gewesen seien und die Polizei darüber informiert hätten, dass es sich größtenteils um Nordafrikaner handeln müsse. Die Hinweisgeber hätten ihre Schlussfolgerung damit begründet, oft den Berber-Dialekt gehört zu haben, der nur in den Maghreb-Staaten gesprochen werde, so der Sprecher.

Die Polizei betont in dem Zusammenhang ausdrücklich, dass es sich bei den aktuellen Zahlen nur um vorläufige Erhebungen der Nationalitäten handle. Es sei auch möglich, dass nordafrikanische Männer sich fälschlicherweise als Syrer ausgegeben hätten, etwa in der Hoffnung, auf bessere Chancen im Asylverfahren. Das müsse die weitere Untersuchung ergeben.

Ohnehin hat die Polizei von den 2000 Männern nur bei 674 die Identität festgestellt. Bei gut 200 von diesen 674 Personen lasse sich die Nationalität im Moment nicht klären, sagte ein Sprecher. Die Überprüfungen dauern an.

Im Video: Konsequenzen waren "notwendig" - Merkel verteidigt Vorgehen nach Silvester-Übergriffen

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