+++ So bereitet sich die Ostseeküste auf die schwerste Sturmflut des Jahrzehnts vor +++

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Warnung vor Hochwasser
So bereitet sich die Ostseeküste auf die schwerste Sturmflut des Jahrzehnts vor

Das Bundesamt für Seeschifffahrt hat eine Warnung herausgegeben: Die Ostseeküste könnte in der Nacht von der schwersten Sturmflut seit zehn Jahren getroffen werden. Zunächst wird das Wasser auf die östlichen Strände bei Usedom und im Greifswalder Bodden drücken, später dann bei Rostock, Wismar und Flensburg. Es wird mit Wasserständen bis zu 1,50 Meter über Normal gerechnet.

Wie bereiten sich die Städte vor?

  • In Rostock werden beispielsweise die Vorräte an gefüllten Sandsäcken aufgestockt. Das ist Teil des „Sonderschutzplans Hochwasser". Darin sind Meldewege, Informationsaustausch und Verantwortlichkeiten abhängig von den zu erwartenden Pegelständen definiert. Die Stadt verfüge über Einheiten wie Wasserwehren in Markgrafenheide und Warnemünde. Diese kontrollierten unter anderem die Sturmflutschutzanlagen und würden sie gegebenenfalls auch bedienen.
  • In Lübeck sollen Autos ab etwa einem Meter über dem mittleren Wasserstand von den Parkplätzen an der Untertrave weggefahren werden. Bis zum Mittag war es noch weniger als ein halber Meter. Bei deutlich über einem Meter drohen in Lübeck Keller vollzulaufen. Einige Dutzend Häuser sind immer wieder hochwassergefährdet.
  • In Flensburg können bei 1,50 Meter über dem mittleren Wasserstand Parkplätze in Wassernähe überspült werden. Richtig problematisch auch für die Innenstadt würde es erst ab zwei Metern, so ein Stadtsprecher.
  • Eher geringe Auswirkungen zeichneten sich für Kiel ab, wo bei 1,50 Meter die Kiellinie am Förde-Ufer Wasser abbekommen könnte.

Halten die Deiche?

Behörden und Kreise stellen sich zwar auf das vermutlich stärkste Hochwasser seit 2006 ein. Die Behörden rechnen jedoch nicht mit einer langen Belastung von Deichen und Dünen, da der Wasserdruck von der See nicht lange anhalten wird.

Dennoch wird das Sperrwerk Greifswald präventiv hochgefahren, sagte eine Behördensprecherin FOCUS Online. Es wehrt Wasserstände bis zu 3,10 ab – die letzte extreme Sturmflut von 1872 kam auf 2,70 Meter. Weitere Sperrwerke wie am Klützer Bach und Tarnewitzer Bach an einigen anderen Orten werden hochgefahren. Bewohnte Flächen seien dadurch geschützt, dennoch könne es zu lokalen Überflutungen und Dünenabbrüche kommen.

Reichen die Sandsäcke?

Die Menschen an der Ostsee-Küste sind auf Sturmfluten vorbereitet: Allein auf der vor Wismar gelegenen Ostsee-Insel Poel liegen 30.000 Sandsäcke bereit. Sie werden befüllt, wenn sich Gefahren abzeichnen sollten.

Wie groß ist die Gefahr?

Stürme und auch Hochwasser seien im Winter an der Ostseeküste normale Witterungserscheinungen, heißt es von den Behörden. Bei Wasserständen bis 1,50 Meter gehen die Behörden davon aus, dass die Sicherheitsmaßnahmen ausreichen. Eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums sagte FOCUS Online: „Wir nehmen die Sturmflut ernst und hoffen das Beste, dass wir mit wenig Schäden davonkommen."

Das Landesinnenministerium rief im Gespräch mit FOCUS Online die Bürger dazu auf, sich die Katastrophenwarn-App Nina auf der Homepage der Behörde runterzuladen – sie informiere über konkrete Katastrophen oder Katastrophen ähnliche Situationen.

Gibt es schon Auswirkungen?

  • In Schleswig-Holstein gab es Verspätungen im morgendlichen Berufsverkehr der Bahn. Auf der Strecke zwischen Kiel und Hamburg war wegen umgestürzter Bäume nur ein Gleis befahrbar
  • In Ahrensburg stürzte ein Baum auf eine Garage, verletzt wurde niemand
  • In Hamburg stieg das Morgenhochwasser am Fischmarkt St. Pauli auf 2,10 Meter über dem mittleren Hochwasser. Am tief gelegenen Fischmarkt fuhren Autos und Busse durch das kniehohe Wasser. Die Tore der historischen Fischauktionshalle blieben wie üblich offen, damit das Wasser ungestört ablaufen kann.

Wer hilft im Notfall mit?

Sollte sich die Sturmflut zu einer Katastrophe entwickeln, weil etwa Dämme brechen oder die Sperrwerke das Wasser nicht mehr zurückhalten, würde die Zuständigkeit zum Landesinnenministerium wechseln. Das Ministerium koordiniert die Maßnahmen von den Behörden wie dem Katastrophenschutz oder dem Technischen Hilfswerk (THW) im Katastrophenfall. Bislang liegt die Zuständigkeit bei den Kreisen und Kommunen.

Ein THW-Sprecher sagte FOCUS Online, dass 2700 Kräfte in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein bereitstünden und zahlreiche weitere THW-Freiwillige aus ganz Deutschland jederzeit an die Küste verlegbar sind. „Wir befinden uns derzeit auf der Vorstufe zur Alarmbereitschaft, können aber in 20 Minuten an den Dämmen sein", sagte der Sprecher.

Gibt es Auswirkungen auf die Schifffahrt?

In der Regel wird die Schifffahrt durch Hochwasser nicht stark eingeschränkt, sagte ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Stralsund FOCUS Online. „Da das Wasser durch die Sturmflut sogar tiefer wird, hat die Schifffahrt dadurch keine Probleme." Anders sei die Situation in den Häfen: „Schiffe an Leinen müssen beobachtet werden, dass sie sich nicht aufhängen oder zu locker angeleint sind. Aber das wissen die Eigner normalerweise und stellen sich darauf ein.

Im Video: Sturmflut an der Nordsee: Meterhohe Wellen brechen über Dagebüll herein

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mit dpa
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