Das Wichtigste in Kürze: Es ist eine der größten Beerdigungen der deutschen Nachkriegsgeschichte: Zwei Wochen nach seinem Tod wird der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl am Samstag beigesetzt. Die Trauerfeierlichkeiten an den drei Schauplätzen Straßburg, Ludwigshafen und Speyer erstrecken sich über den gesamten Tag. Kohl war 16 Jahre Bundeskanzler und 25 Jahre CDU-Vorsitzender. Er war am 16. Juni im Alter von 87 Jahren gestorben. Tausende Menschen werden zu den Trauerfeierlichkeiten erwartet. Mehr als tausend Polizisten sollen alleine im Raum Speyer und Ludwigshafen für Sicherheit sorgen.
12.15 Uhr: Die Reste der Berliner Mauer seien längst zu Souvenirstücken verkommen, aber manche ideologische Gegensätze bestünden noch immer, sagt Medwedew. Dabei müsse es das Ziel sein, aus der Mauer ein gemeinsames Haus zu schaffen.
12.14 Uhr. Maike-Kohl Richter verfolgt die Würdigungen sichtlich bewegt. Mit einem großen Taschentuch tupft sich die Witwe des Altkanzlers die Tränen aus den Augen.
12.13 Uhr: Unter Kohl seien die deutsch-russischen Beziehungen „die besten in der gesamten Geschichte gewesen", sagt Medwedew. Er habe immer verstanden, dass die Feinde von Gestern die Partner von Heute sein können.
12.11 Uhr: Jetzt ist der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew an der Reihe. Er spricht davon, dass Kohls Beitrag zur Wiedervereinigung „das einzig Richtige" gewesen sei.
Clinton: „Ich habe ihn geliebt"
12.10 Uhr: Als er sich wieder hinsetzt, greift ein sichtlich trauriger Clinton die Hand von Angela Merkel.
12.07 Uhr: „Am wichtigsten im Leben ist, was wir unseren Kindern hinterlassen", sagt Clinton. „Du hast das gut gemacht mit deinem Leben. Und wir, die dabei sein durften, lieben dich dafür." Langer Applaus aus dem Plenum.
12.06 Uhr: „Im Namen unserer alten Kerle sage ich: Danke, dass wir an etwas mitwirken durften, das größer war als wir selbst."
12.04 Uhr: „Kohl liebte es, ein Deutscher zu sein", sagt Clinton. „Er war aber auch gerne Europäer."
12.02 Uhr: Es ist eine ergreifende Rede, die Clinton hält. Der Ex-US-Präsident hält die Europäer dazu an, im Gedenken an Kohl die innereuropäischen Differenzen zu überwinden. „Kohl hat an eine Welt geglaubt, in der Zusammenarbeit immer besser ist als Konflikt."
11.59 Uhr: „Ich habe ihn geliebt", sagt Clinton über Kohl. „Hillary meinte, das liegt daran, dass er noch lieber gegessen hat als ich. Er hat mir in Washington – der Hauptstadt meines Landes – sein Lieblingsrestaurant gezeigt, und es war fantastisch."
11.58 Uhr: Als Nächstes an der Reihe: US-Präsident Bill Clinton. „Wir sind hier, weil Helmut Kohl uns die Möglichkeit gegeben hat, an etwas mitzuwirken, was über uns hinauswächst", sagt Clinton. „Denn wir alle werden mal in so einem Sarg liegen."
Gonzalez: Der Euro hat Kohl die Kanzlerschaft gekostet
11.57 Uhr: „Du verlässt uns zu einem Moment, an dem wir dich noch brauchen", sagt Gonzalez am Ende seiner Rede. „Aber wir werden dich nicht vergessen. Du kannst dich immer auf uns verlassen."
11.56 Uhr: Sein unermüdlicher Einsatz für das kontrovers debattierte Euro-Projekt habe Kohl letztendlich die Kanzlerschaft gekostet, glaubt Gonzalez. „Wir alle verlieren mal Wahlen." Die Geschichte habe ihm allerdings recht gegeben.
11.55 Uhr: Spanien war nach dem Ende der Franco-Diktatur damals noch eine junge Demokratie – doch Kohl habe die Einbindung des Landes in Europa immer unterstützt.
11.52 Uhr: Als Nächstes spricht der ehemalige spanische Ministerpräsident Felipe Gonzalez, ein alter politischer Weggefährte Kohls. Auch er würdigt Kohl nicht nur als Kollege, sondern als Freund. „Es war eine Beziehung der gemeinsamen Treue", sagt Gonzalez.
Tusk: Kohl gab Osteuropa eine Zukunft
11.47 Uhr: Kohl habe den Osteuropäern Aussöhnung und eine Zukunftsperspektive gegeben. Dafür sei man ihm auf ewig dankbar, sagt Tusk am Ende seiner im Vergleich kurzen Ansprache.
11.44 Uhr: Es sei außerdem ein schöner Moment gewesen, so Tusk, dass Kohl ausgerechnet in Warschau vom Fall der Berliner Mauer erfahren habe – jener polnischen Stadt, die wie kaum eine andere unter dem Nazi-Terror zu leiden hatte.
11.42 Uhr: Als nächstes an der Reihe: EU-Ratspräsident Donald Tusk. Der Pole erinnert an das Verhältnis Kohls zur Stadt Danzig, zu deren Ehrenbürger der Altkanzler im Jahr 2010 erklärt worden war. Die Hafenarbeiter in Danzig hätten sich als eine der ersten für den Fall des Eisernen Vorhangs eingesetzt, sagt Tusk, und das gelte auch für Helmut Kohl.
Juncker: Beim Beschluss der EU-Osterweiterung hat Kohl vor Freude geweint
11.40 Uhr: „Helmut, du bist jetzt, so denke ich, im Himmel", sagt Juncker zum Abschluss. „Wir hätten dich lieber hier. Bitte versprich mir, dass du im Himmel nicht sofort einen CDU-Ortsverein gründest. Du hast schon genug getan für deine Partei, dein Land und für Europa. Ruhe in Frieden."
11.39 Uhr: Zum Abschluss seiner Rede wechselt Juncker vom Deutschen ins Französische – um Kohls Verdienst um die deutsch-französische Beziehungen zu würdigen. „Kohl sprach nie französisch, aber er kannte Frankreich", sagt Juncker. Das gelte nicht nur für die zahlreichen Restaurants des Landes.
11.35 Uhr: „Ich bin wahrscheinlich der einzige Mensch hier, der Kohl hat weinen sehen." Der Beschluss zu den Beitrittsverhandlungen mehrerer osteuropäischer Länder habe Kohl damals „mehrere Minuten lang" weinen lassen, erzählt Juncker. Er sei tief dankbar dafür, dass er als deutscher Kanzler, dessen Land so viel Leid über Osteuropa gebracht hatte, diesen Moment der europäischen Einheit miterleben könne, habe Kohl damals gesagt.
11.34 Uhr: Juncker erinnert aber auch an Kohls Verdienste um Osteuropa, gerade in Fragen der europäischen Aussohnung. An den Gräueltaten der Nazis sei Kohl nicht persönlich beteiligt gewesen. „Aber er war sich seiner historischen Verantwortung bewusst."
11.32 Uhr: „Kohl hat den Mantel Gottes, der für einen kurzen Moment durch Europa wehte, sofort ergriffen", sagt Juncker über Kohl im Moment der WIedervereinigung. „Andere wären bei dieser Herausforderung gescheitert." Gegen die deutsche Wiedervereinigung habe es großen Widerstand gegeben, erinnert Juncker, aber mit diplomatischem Geschick habe er die Widerstände überwunden.
11.29 Uhr: „Hier spricht heute nicht der Kommissionspräsident, sondern ein Freund, der Kommissionspräsident wurde", sagt Juncker zu Beginn der Rede. Es sei Helmut Kohls persönlicher Wunsch gewesen, einen europäischen Staatsakt zu erhalten. „Diese Rede ist nicht nicht-deutsch", sagt Juncker. „Sie ist europäisch, also ist sie auch deutsch."
Tajani über Kohl: Sein Beispiel muss die EU heute mehr anleiten denn je
11.28 Uhr: „Das Beispiel von Hemlumt Kohl muss uns in die Zukunft tragen", sagt Tajani zum Abschluss seiner Rede auf Deutsch. Als nächstes wird Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprechen.
11.26 Uhr: Damit seien Deutschland und die EU zu einem leuchtenden Vorbild geworden für die Länder Osteuropas, die noch unter kommunistischer Herrschaft standen. „Das Europa von Helmut Kohl hatte keine Angst, eine Zukunft anzubieten und zu gestalten." Dieses Beispiel müsse die heutige EU mehr anleiten denn je.
11.23 Uhr: Als Präsident des EU-Parlamentes dankt Tajani dem Altkanzler natürlich besonders für seinen Einsatz für die EU und seine Rolle in der Schaffung des Euro. Ein wiedervereinigtes Deutschland habe Kohl außerdem immer als europäisches Deutschland gedacht und nicht als nationalistisches Deutschland.
11.19 Uhr: Als erstes wird Antonio Tajani, der Präsident des Europäischen Parlaments, sprechen. Als einen „Protagonist der Wiedervereinigung" und als einen „Menschen, der sich stets für die Menschenrechte eingesetzt hat", würdigt der Italiener den verstorbenen Altkanzler – Worte, die auf der Trauerfeier sicher noch öfter fallen werden.
11.17 Uhr: Die Trauerfeier beginnt: Der mit einer europäischen Flagge bedeckte Sarg von Helmut Kohl wird ins Plenum getragen.
11.12 Uhr: Das Plenum ist bereits gut gefüllt, der Trauerakt dürfte gleich beginnen. Für die musikalische Untermalung sorgt übrigens das Universitätsorchestor von Straßburg, das Werke ausgewählter deutscher Komponisten spielen wird.
10.57 Uhr: Ebenfalls eingetroffen: Bundeskanzlerin Angela Merkel. In wenigen Minuten soll der Trauerakt beginnen, aber eine Verzögerung ist wahrscheinlich. Kohls Sarg befindet sich noch nicht im Plenum, sondern im protokollarischen Vorraum.
Clinton nimmt Abschied von Kohl
10.50 Uhr: Rührende Szene im Vorfeld des Europäischen Staatsakts: Ex-US-Präsident Bill Clinton nimmt Abschied am Sarg des Altkanzlers. Clinton, der von 1992 bis 2000 US-Präsident war, hatte ein sehr warmes Verhältnis zu Kohl. „Ich werde nie vergessen, wie ich mit ihm 1994 durch das Brandenburger Tor gegangen bin, zu einer Großkundgebung auf der Ostseite, als ich echte Hoffnung in den Augen Zehntausender junger Menschen gesehen habe", sagte Clinton in einer Stellungnahme kurz nach Kohls Tod. Links daneben: Witwe Maike Kohl-Richter.
Staatschefs gedenken dem Kanzler der Einheit
10.29 Uhr: Im Straßburger Europaparlament verabschieden sich internationale Staats- und Regierungschefs von Helmut Kohl. Der mit einer Europaflagge bedeckte Sarg des früheren Bundeskanzlers wurde dafür in einem Protokollraum aufgebahrt. Fernsehbilder zeigten, wie sich Politiker bekreuzigten und vor dem Sarg verbeugten. Vor dem Saal können sich die Trauernden in ein Kondolenzbuch eintragen, sagte eine Parlamentssprecherin.
Frankreichs Präsident Macron verbreite in den sozialen Medien indes eine Trauernachricht auf Deutsch: "Frankreich trauert um Helmut Kohl".
Kohls Sarg wird nach Straßburg gebracht
07.30 Uhr: Der Leichnam des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl ist am Samstagmorgen aus seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim abgeholt worden. Der Sarg war mit einer Europaflagge bedeckt. Anschließend machte sich ein Fahrzeugkonvoi auf den Weg nach Straßburg.
Staatsakt, Überführung, Trauergottesdienst: Der Zeitplan im Überblick
11.00 Uhr: Zunächst nehmen Politiker und Staatsgäste bei einem Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg Abschied von Kohl. Erstmals wird damit ein gestorbener Politiker für seine Verdienste um Europa mit einem solchen europäischen Trauerakt geehrt. Reden sind unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), EU-Ratspräsident Donald Tusk, US-Präsident Bill Clinton und dem ehemaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew geplant.
13.30 Uhr: Ein Hubschrauber der Bundespolizei fliegt den Sarg mit Kohls Leichnam von Straßburg in seine Geburtsstadt Ludwigshafen zurück.
14.45 Uhr: Der Sarg wird in einem kurzen Trauerzug durch die Innenstadt gefahren, damit die Menschen dort Abschied nehmen können.
15.30 Uhr: Der Kanzler der Einheit wird auf ein Schiff gebracht, das dann die letzten Kilometer auf dem Rhein ins nahegelegene Speyer fährt.
16.30 Uhr: Der Sargwagen beginnt seinen Weg über die Rheinallee zum Speyerer Dom.
18.00 Uhr: Das Pontifikalrequiem im Dom zu Speyer beginnt. Hier werden noch einmal 1500 geladene Gäste erwartet. Dazu zählen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Im angrenzenden Domgarten soll es eine Übertragung auf einem Großbildschirm geben. Dort finden 3.500 Personen Platz.
19.45 Uhr: Die Bundeswehr ehrt den gestorbenen Bundeskanzler mit einem militärischen Zeremoniell.
20.30 Uhr: Der Kanzler der Einheit wird auf einem nahegelegenen Friedhof im engsten Freundes- und Familienkreis beigesetzt. Kohl findet auf eigenen Wunsch hier seine letzte Ruhestätte.
Im Video: Lammert erinnert an eine Eigenschaft Kohls, die Merkel zum Schmunzeln bringt