+++ Milliardenstrafe, Insolvenz? Das passiert, wenn die Kartellvorwürfe wirklich wahr sind +++

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Gravierende Konsequenzen
Milliardenstrafe, Insolvenz? Das passiert, wenn die Kartellvorwürfe wirklich wahr sind

Deutsche Automanager sollen sich seit Jahren heimlich abgestimmt haben. Den Konzernen droht nun ein Kartellverfahren. Doch was bedeutet das? Milliardenstrafen? Insolvenz? Oder gar Straffreiheit? Ein Überblick.

1. Welche Strafen drohen den Autobauern?

Generell können bei einem Kartellverfahren Bußgelder von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes anfallen. Bei den "großen Fünf" ist das keine Kleinigkeit: VW etwa setzte 2016 gut 217 Milliarden Euro um, Daimler immerhin 153 Milliarden Euro. Die Strafzahlungen könnten so mehr als 20 bzw. 15 Milliarden Euro betragen.

Der tatsächliche Betrag hängt davon ab, wie lange das Kartell bestand, wie viele Zulieferer und welche Produktionssparten betroffen waren, wie Uwe Treckmann erklärt, Branchenexperte Automobil der Commerzbank. "Bislang kann man die finanziellen Folgen jedoch noch nicht seriös abschätzen." Die bislang höchste Kartell-Einzelstrafe der Neuzeit wurde in Deutschland übrigens ausgerechnet gegen Daimler verhängt . Wegen unerlaubter Absprachen in seiner Lastwagen-Sparte musste der Konzern voriges Jahr 1,09 Milliarden Euro zahlen.

2. Geht VW straffrei aus?

VW hat tatsächlich Chancen, vergleichsweise glimpflich davonzukommen, sollte sich der Kartellverdacht erhärten. Denn der Konzern könnte von einer Kronzeugenregel profitieren. Die besagt: Wer den Ermittlern zuerst und am meisten exklusive Informationen offenlegt, der erhält einen Strafrabatt - bis hin zur kompletten Straffreiheit. Hierin konkurriert VW jedoch mit Daimler, das den Ermittlern auch Unterlagen zur Verfügung gestellt hat. Zudem hält Treckmann eine komplette Straffreiheit in diesem Fall für unwahrscheinlich: Es werde eine Strafe geben, aber eine deutlich schwächere als bei den Unternehmen, die nicht mit den Ermittlern kooperieren. Im Lastwagen-Kartell von 2016 war das anders: Da ging der Hinweisgeber MAN komplett straffrei aus.

3. Zahlen die Konzerne jetzt schon für den Kartellverdacht?

Bislang ist es fraglich, ob es zu hohen Strafen kommt - ja es ist sogar fraglich, ob es überhaupt zur Anklage kommen wird. Der Schaden ist dennoch bereits spürbar: Am Montagmorgen stürzten die Kurse von VW, BMW, Porsche und Daimler ab. Und das dürfte noch lange so weitergehen, warnt Treckmann: "Die Volatilität wird hoch bleiben, ein Endpunkt ist nicht absehbar."

Allein die Ermittlungen im Kartellverfahren könnten leicht länger als ein Jahr dauern - eine Zeit anhaltender Unsicherheit, für die Börse und damit auch für die Unternehmen. Hinzu kommt: Auch das Vertrauen der Verbraucher in die Automarken beginnt zu schwinden. Sie steigen auf andere Marken um - und lassen so die Umsätze bei den betroffenen Autobauern einbrechen.

4. Droht VW, BMW und Co. eine Klagewelle?

Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller rechnet wegen des möglichen Auto-Kartells tatsächlich mit einer Klagewelle . Wenn sich bewahrheitet, dass die Unternehmen sich über die Preise abgesprochen haben, könnten zehntausende Kunden Geld zurückfordern. Verkehrsrechtsexperte Michael Winter erklärt: "Es ist davon auszugehen, dass Fahrzeuge ohne die verbotenen Kartellabsprachen entweder bei gleichem Kaufpreis über mehr oder bessere Technik verfügt hätten oder der Preis ohne das Kartell niedriger gewesen wäre." Der Schaden könnte bis zu 15 Prozent des Kaufpreises betragen. Die Verbraucherzentrale erwägt außerdem eine Musterklage per Gesetz, damit mutmaßlich betrogene Kunden nicht einzeln vor Gericht gehen müssten.

Eine mindestens ebenso teure Klagewelle droht den Autobauern von ganz anderer Seite: Sowohl mutmaßlich geprellte Zuliefererfirmen als auch Wettbewerber, die nichts von den Absprachen wussten, könnten auf Schadenersatz drängen.

5. Stehen die Autobauern gar vor der Pleite?

Zehn Prozent des Jahresumsatzes sind zwar viel Geld, aber in den Ruin treiben dürften sie die Autobauer nicht. Was jedoch auf der Strecke bleiben könnte, sind Innovationen, warnt Automobil-Experte Treckmann. Dabei stehe die Branche vor der größten Herausforderung seit Jahrzehnten. Gerade angesichts des Dieselskandals müssten auch Deutschlands Autofirmen endlich beginnen, mehr auf Hybrid- und Elektroautos zu setzen. Wenn sie nicht mit der Zeit gingen, drohe ihnen ein tiefer Absturz, warnt Treckmann.

Für den Moment setzt der Commerzbankexperte aber noch darauf, dass die Situation weniger dramatisch ist als gedacht: "Wir können nur hoffen, dass sich die Rauchwolken verziehen und dass dahinter nicht zu viel Feuer liegt."

Im Video: Schadenersatz für hunderttausende Autofahrer? Das sind Ihre Rechte gegen das Kartell

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